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Sonntag, 29. Dezember 2013

Hinter den Worten von "Erinnerung"

Danke an die lieben Kommentare unter der letzten Geschichte. Ich habe mich sehr darüber gefreut, vorallem auch, weil diese Geschichte gar nicht geplant war und ich sie geschrieben habe, ohne groß über sie nachzudenken.


1. Wie ich auf die Idee gekommen bin
Das war im Zug. Ich hatte das Wort "Weihnachts-Trance" im Kopf - keine Ahnung warum - und plötzlich viel mir die allererste Szene ein, die ich sofort aufschrieb.
Darauf hin habe ich einfach weiter geschrieben. Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, wie es weiter gehen soll. Die Geschichte kam während des Schreibens.

2. Der Schreibstil
Auch das kam zufällig. Ich fand es einfach passend und schön in der 2. Person Einzahl zu schreiben.

3. Die Figuren
Die Figuren finde ich selbst sehr interessant, weil ich sie selbst kaum kenne - Außer das, was in der Geschichte steht. Ich weiß zum Beispiel nicht, warum das Mädchen alleine an Weihnachten in ihrer Wohnung ist - Und nicht bei ihrer Familie. Ich weiß noch nicht mal die Namen der beiden Figuren.
Es gibt noch unendlich viele Möglichkeiten, die beiden auszubauen.
Ebenso wie das Ende...

4. Das Ende
Okay, ganz ungeplant war die Geschichte doch nicht. Als ich etwa bei der Hälfte war, habe ich mir überlegt, dass die Geschichte mit diesem Satz: "Sieh doch nur, dort vorn die Wiese mit dem riesigen Tannenbaum. Lass uns dort hin gehen, Weihnachten feiern und die Vergangenheit vergessen." enden soll.

5. Weiteres
Ich habe die Geschichte komplett mit der Hang geschrieben. Mit dem Computer ging es irgendwie nicht.
Den Anfang hatte ich ja schon im Zug und als ich zu hause war, habe ich ihn sofort abgetippt, damit ich ihn auf dem Laptop weiter schreiben kann. Aber irgendwie ist mir da nichts mehr eingefallen.
Also habe ich die Geschichte ein bisschen ruhen lassen und dann einfach per Hand weiter geschrieben ... Und so ging es.

Das Lied, was ich beim Schreiben gehört habe war "Can´t Find My Way Home" von Blind Faith. Es kommt auch in der Geschichte vor und ich glaube, dass es mich beim Schreiben etwas beeinflusst hat. Außerdem ist es eins meiner Lieblingslieder. Hier könnt ihr ja mal rein hören:

Dienstag, 24. Dezember 2013

Geschichte #8 - Erinnerung: Teil 3

Hier kommt ihr zu Teil 2.

„Nein, woher auch? Es war alles wie immer und dann warst du weg.“
Er schüttelte mit dem Kopf.
„Was ist passiert?“
Du tratest auf die Bremse und wir blieben so abrupt stehen, dass wir nach vorne und wieder zurück in unsere Sitze geschleudert wurden.
„Du weißt, dass wir eine Grenze nie überschritten haben.“
„Ja, die des Todes.“
Stille.
„Wir haben sie auch nicht überschritten, sonst säßen wir jetzt nicht hier“, sagte ich.
„Ich hätte es aber fast getan.“
„Aber nur fast. Wir waren ständig dem Tod nahe.“
Ein freudloses Lachen überkam dich. „Ja und dann war da das Mädchen, das mich aufhalten wollte. Sie wollte mir die Spritze aus der Hand reißen und dann … Es ging alles so schnell.“
Ich versuchte mich zu erinnern, irgendwann in dieser Zeit damals von einem Todesfall gehört zu haben, von einem Mord.
„Es war die kleine Schwarzhaarige, in die ich so verliebt war. Dabei kannte ich nicht mal ihren Namen.“
„Aber es war Selbstmord“, sagte ich schnell. Denn plötzlich erinnerte ich mich. Etwas schleierhaft vielleicht, aber da war etwas. Es gab eine riesige Trauerandacht und Psychotherapeuten waren an der Schule. Und mein bester Freund verschwand und niemand merkte es.
Vielleicht konnte ich mich deshalb nicht daran erinnern. Ich war zu beschäftigt dich zu suchen.
„Ich habe sie getötet. Es war meine Schuld. Es war meine Schuld, dass sie gestorben ist und dass ich mein Versprechen nicht einhalten konnte.“
„Nein, das Mädchen hat dich nicht verstanden. Es war ihre eigene Schuld und was dein Versprechen angeht: Es ist für so was nie zu spät. Du hast gesagt, dass du mich irgendwann zum Meer bringst und du tust es jetzt. Du hältst dein Versprechen!“
„Nein, das tue ich nicht.“
„Doch, natürlich!“
„Wir haben uns verfahren. Ich weiß nicht mehr wo wir sind und erst recht nicht, wie wir nach hause kommen.“
Nach hause. Ich habe mich so lange nicht mehr zu hause gefühlt. Erst vor ein paar Stunden, als du vor meiner Tür warst. „Du hast keine Ahnung, wie wir zum Meer kommen, aber zu hause sind wir doch schon lange.“
„Was?“
„Ich erkannte damals nicht, dass mein zu hause eigentlich du bist. Du weißt nicht, wie sehr du in meinem Leben gefehlt hast und es ist mir egal, was du getan hast. Es ist mir egal, dass du gegangen bist, weil du wieder da bist. Das ist das einzige, was zählt und dafür liebe ich dich.“
Ich atmete schwer, weil ich zu schnell und ohne Luft zu holen geredet hatte, aus Angst irgendetwas in meiner Ansprache zu vergessen.
„Aber...“
„Kein Aber! Sieh doch nur, dort vorn die Wiese mit dem riesigen Tannenbaum. Lass uns dort hin gehen, Weihnachten feiern und die Vergangenheit vergessen.“


Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und möchte mich für die tollen Blogvorstellungen bei darkest.heart und Claudia bedanken.

Sonntag, 22. Dezember 2013

Geschichte #8 - Erinnerung: Teil 2

Hier kommt ihr zu Teil 1.

Als ich aufwachte hörte ich Musik. Du hattest dein Radio angemacht. Es war alt und hatte schlechten Empfang, sodass jedes Lied mit diesem beruhigendem Rauschen und Knacken hinterlegt war. Es lief „Can´t Find My Way Home“ von Blind Faith.
Eisiger Wind blies mir ins Gesicht und durch die Haare. Du hattest das Fenster ein Stück geöffnet.
Ich kurbelte es ganz auf und hielt meine Hand nach draußen – So lange bis sie weh tat.
Ich stöhnte kurz als ich mit den Fingern die Tür leicht berührte und der stechende Schmerz im ganzen Arm zu spüren war. Dann lachte ich.
Auch deine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln.
Du wusstest es noch, du warst genauso wie damals. Es war unser kleines Spiel – Zu sehen, wie wir uns selbst verletzten, um zu sehen, wie weit wir gehen konnten und dann die befriedigende Schadenfreude des anderen zu spüren.
Wir lebten, waren grenzenlos und dennoch waren wir immer die Stillen, die immer im Hintergrund standen und beobachteten. Wir lebten in unseren kleinen Welt und dann warst du verschwunden. So, als hätte es dich nie gegeben.
So, als würde es diesen Moment nicht geben.
„Ich habe von dir geträumt“, sagtest du. „Ich habe eine Million mal von dir geträumt. Was ist, wenn das wieder nur ein Traum ist?“
Es war, als hättest du meine Gedanken gelesen.
„Dann träume bitte weiter“, sagte ich. „Ich will wissen, wie das hier ausgeht.“
„Okay.“
„Es ist elf Uhr...“, sagte die Radio-Moderatorin. Wir waren schon fast fünf Stunden gefahren. Seltsam wie schnell die Zeit mit dir verging. Als du weg warst schien ein ganzes Leben zu vergehen, dabei waren es nur zehn Jahre. NUR zehn Jahre.
„Wo fahren wir hin?“, fragte ich wieder.
Du zögertest kurz. „Nach hause, ich habe es dir doch versprochen. Weißt du noch?“
Einen Moment lang konnte ich nichts sagen. Ich wusste nicht, welche Worte meine Gefühle in dieser Sekunde beschreiben konnten. Also antwortete ich einfach nur mit: „Ja.“ Ja, natürlich erinnerte ich mich.
Ich war sechs oder sieben Jahre alt. Ich hatte gerade meinen Wunschzettel an den Weihnachtsmann in meiner unordentlichen Kinderschrift zu Ende geschrieben. Ich wollte von meiner Mutter wissen, ob der Brief gut ist und ob sich der Weihnachtsmann darüber freuen würde.
Sie las gerade ein Mode-Magazin. „Ich lese ihn mir später durch“, murmelte sie.
„Mama, ich habe geschrieben, dass ich mir wünsche, dass wir ans Meer fahren.“
„Mh.“
„Ich möchte nach hause.“
„Mh.“
Ich wusste, dass der Weihnachtsmann den Wunsch nicht erfüllen wird. Du wusstest es auch, du standest mit deinem eigenen Zettel in der Tür und beobachtetest diese Szene.
Traurig lies ich meinen Wunsch fallen und trottete zu dir.
„Hey, hebe deinen Müll sofort wieder auf“, brüllte meine Mutter. Und da weinte ich.
Es war das erste und letzte Mal, dass du mich weinen sehen hast. Du, mein bester Freund, den ich schon seit dem Kindergarten kannte.
Du hattest mich in den Arm genommen und gesagt, dass du mich irgendwann ans Meer bringen wirst. Immer wieder hattest du das gesagt. Und du warst immer der einzige gewesen, von dem ich ans Meer gebracht werden wollte – Selbst als ich alt genug war, um alleine dort hin zu reisen.
Und zehn Jahre später, wieder kurz vor Weihnachten, verschwandest du und noch einmal zehn Jahre später kamst du zurück, um dein Versprechen zu halten.
„Warum tust du das?“, fragte ich.
„Weil ich es versprochen habe und ich all die Jahre nicht richtig leben konnte, weil ich immer an dich denken musste. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen.“
„Warum bist du gegangen?“
Du hattest deine Finger plötzlich so fest um das Lenkrad gekrallt, dass die Knöchel weiß hervor traten und ich die Befürchtung hatte, dass sie deine Haut zerreißen würden, wenn du deinen Griff nicht lockerst.
Ich hätte gelacht, wenn es passiert wäre.
„Du weißt es nicht?“ Deine Stimme klang seltsam. Ich sah zu deinem Gesicht. Dunkle Schatten lagen unter deinen Augen.

Hier kommt ihr zu Teil 3.

Freitag, 20. Dezember 2013

Geschichte #8 - Erinnerung: Teil 1

Es war Heiligabend als ich in meiner Wohnung saß und auf die hell beleuchteten Wohnzimmer mit ihren nachtschwarzen Silhouetten im Block gegenüber starrte.
Ich dachte nicht an meine Familie, nicht an meine Freunde, meine große Liebe.
Ich dachte nicht an dich.
Da war nur diese weihnachtliche Stille, die normalerweise zu dieser Zeit nur auf den Straßen herrschte, weil alle drinnen feierten.
Erst als der schrille Klang meiner Klingel die Stille brach und ich zusammen zuckte, wendete ich mich ab. Erst dann merkte ich, dass sich meine Augen trocken anfühlten und schmerzten.
Ich blinzelte kurz, dann lief ich zur Tür. Das Licht machte ich nicht an.
Meine Wohnung war sowieso fast leer und ich wusste welche Wand sich wo befand, sodass ich hätte blind sein können und mich trotzdem ohne Hilfe und Verletzungen hier problemlos zurecht gefunden hätte.
Ich öffnete die Tür. Auch das Treppenhaus war dunkel.
Ich erkannte dich nicht sofort, erst nach einigen Sekunden. Du hast mich angesehen, doch ich konnte deinen Ausdruck nicht erkennen.
Ich habe dich auch angesehen – Ohne irgendeinen Ausdruck. Stundenlang, so fühlte sich es an.
„Du bist allein“, sagtest du. Deine Stimme war tief und kalt, aber angenehm.
Ich nickte.
„Komm mit.“
Ich zog meinen Mantel vom Türgriff. Ich hatte keinen Kleiderhagen.
Wir gingen nach draußen. Es war eine kalte, klare Nacht. Beinahe war es so, als würden mehr Sterne scheinen als sonst.
Der hohe Schnee glitzerte im Licht der beleuchteten Hausnummer und ich konnte unseren Atem sehen, der sich irgendwo über uns vermischte, aufstieg.
Du hattest dein Auto nicht auf dem Parkplatz geparkt, sondern auf der Straße stehen lassen. Der Motor lief noch.
Wir stiegen ein. Es war warm – Zumindest wärmer als in der Wohnung.
„Wohin fahren wir?“, fragte ich. Es fühlte sich seltsam an zu sprechen. Ich hatte es zu lange nicht mehr getan.
Du hattest nicht geantwortet. Ich nahm es hin und verfiel wieder in mein Schweigen, während du Richtung Autobahn fuhrst.
Du warst viel zu schnell, doch außer uns war sowieso niemand hier.
Ich sah aus dem Fenster, hoch zum Himmel, schloss für einen Moment die Augen. Nur für einen Moment.

Hier kommt ihr zu Teil 2.