Sonntag, 23. Februar 2014

Geschichte #9 - Das Mädchen mit der Haut aus Asche: Teil 1

Das Licht wirkte komisch in der staubigen Stadt. Lukas verkroch sich hinter einer muffigen Mülltonne in einer dieser ekligen dunklen Sackgassen. Er hasste das, aber wenn er nicht hier warten würde, würde heute Nacht etwas schreckliches geschehen.
Minuten vergingen, aber Lukas kam es vor wie Stunden. Dann kam sie endlich vorbei.
Lukas sprang hervor und zog sie in die Gasse. Ihre menschliche Gestalt ist so schön, dachte Lukas, knallte ihren Kopf an die alte hohe Wand und richtete sein Gewehr auf sie. „Lukas, was machst du da?“, fragte seine Nachbarin ängstlich. Normalerweise hätte sie bewusstlos sein müssen, aus ihrem Kopf floss Blut, aber sie sah ihn an als wäre nichts passiert. „Lukas, leg die Waffe weg. Bitte“, flehte sie.
Lukas zielte auf ihr Herz. „Mach´s gut, du hässliches Mistvieh“, erwiderte er und schoss. Daneben.
Sie war zur Seite gesprungen und jetzt hinter ihm. Warum mussten diese Dinger auch so schnell sein?
Lukas spürte ihre knochigen Finger an seiner Kehle. „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass du mich so einfach bekommst“, hauchte sie in sein Ohr und er erschauderte.
Der Geruch von Verwesung stieg in ihm auf. Sie musste ihre wahre Gestalt angenommen haben, so war sie noch stärker.
Schnell wirbelte Lukas herum und schoss. Blut spritzte in alle Richtungen. Die Frau, die ihm manchmal in ihre Wohnung zu einem Kaffee einlud, sank auf den Boden.

Als Maria die Augen öffnete war es dunkel. Für einen winzigen Moment dachte sie, dass sie in ihrem Bett lag. Aber sie wusste, dass sie nie nach hause gekommen war. Sie wusste, dass es spät war und dass sie eigentlich schon längst daheim sein sollte. Sie wusste, dass da dieser Mann war, der Sachen mit ihr machte und ihr in die Augen sah, als er sie mit einem Küchenmesser aufschnitt.
Aber das wichtigste war, dass sie wusste, dass sie nicht überlebt hatte. Sie wusste es schon bevor er sie in seinen Keller schleppte und sie schrie.
Aber jetzt hatte sie keine Angst. Sie fühlte gar nichts. Sie spürte, wie ihr Herz gleichmäßig pochte, aber sie atmete nicht. Sie hätte wohl ewig in diesem Loch verbringen können, aber sie musste zurück. Ihre Mutter durfte nicht wissen, dass sie tot war.
Der Mann hatte sie nicht tief vergraben. Sie stieß ihre Hände nach oben und spürte die Nachtluft um ihre Finger wehen. Langsam zog sie sich aus der Erde. Wo war sie bloß?
Sie drehte sich einmal im Kreis. Sie war im Wald, die Bäume standen dicht aneinander und das Gras ging ihr bis zu den Knien und hinterließ zarte rosa Spuren an ihrer Haut. Sie war nackt. Aber auch das war ihr egal. Alles war ihr egal.
Irgendetwas sagte ihr in welche Richtung sie musste. Und sie rannte. Sie rannte wie noch nie.
Irgendwann konnte sie die schwachen Lichter der verschlafenen Kleinstadt sehen, in der sie wohnte. Sie rannte auf ihr Haus zu, sprang an die weiße Wand und kletterte wie eine Spinne hinauf zu ihrem Zimmerfenster. Es war offen, wahrscheinlich noch von gestern Nachmittag, denn danach war sie nicht mehr in ihr Zimmer gegangen.
Wie seltsam, nicht mal das machte ihr mehr Angst... 

Hier kommt ihr zu Teil 2. 

Kommentare:

  1. Schön geschrieben. :)
    Wie viele Teile gibt es denn davon?
    Alles Liebe
    Ellen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist eine etwas längere Geschichte, also vielleicht 5 oder 6 Teile oder mehr =D
      Dankeschön.

      Liebe Grüße
      Luisa

      Löschen