Dienstag, 24. Dezember 2013

Geschichte #8 - Erinnerung: Teil 3

Hier kommt ihr zu Teil 2.

„Nein, woher auch? Es war alles wie immer und dann warst du weg.“
Er schüttelte mit dem Kopf.
„Was ist passiert?“
Du tratest auf die Bremse und wir blieben so abrupt stehen, dass wir nach vorne und wieder zurück in unsere Sitze geschleudert wurden.
„Du weißt, dass wir eine Grenze nie überschritten haben.“
„Ja, die des Todes.“
Stille.
„Wir haben sie auch nicht überschritten, sonst säßen wir jetzt nicht hier“, sagte ich.
„Ich hätte es aber fast getan.“
„Aber nur fast. Wir waren ständig dem Tod nahe.“
Ein freudloses Lachen überkam dich. „Ja und dann war da das Mädchen, das mich aufhalten wollte. Sie wollte mir die Spritze aus der Hand reißen und dann … Es ging alles so schnell.“
Ich versuchte mich zu erinnern, irgendwann in dieser Zeit damals von einem Todesfall gehört zu haben, von einem Mord.
„Es war die kleine Schwarzhaarige, in die ich so verliebt war. Dabei kannte ich nicht mal ihren Namen.“
„Aber es war Selbstmord“, sagte ich schnell. Denn plötzlich erinnerte ich mich. Etwas schleierhaft vielleicht, aber da war etwas. Es gab eine riesige Trauerandacht und Psychotherapeuten waren an der Schule. Und mein bester Freund verschwand und niemand merkte es.
Vielleicht konnte ich mich deshalb nicht daran erinnern. Ich war zu beschäftigt dich zu suchen.
„Ich habe sie getötet. Es war meine Schuld. Es war meine Schuld, dass sie gestorben ist und dass ich mein Versprechen nicht einhalten konnte.“
„Nein, das Mädchen hat dich nicht verstanden. Es war ihre eigene Schuld und was dein Versprechen angeht: Es ist für so was nie zu spät. Du hast gesagt, dass du mich irgendwann zum Meer bringst und du tust es jetzt. Du hältst dein Versprechen!“
„Nein, das tue ich nicht.“
„Doch, natürlich!“
„Wir haben uns verfahren. Ich weiß nicht mehr wo wir sind und erst recht nicht, wie wir nach hause kommen.“
Nach hause. Ich habe mich so lange nicht mehr zu hause gefühlt. Erst vor ein paar Stunden, als du vor meiner Tür warst. „Du hast keine Ahnung, wie wir zum Meer kommen, aber zu hause sind wir doch schon lange.“
„Was?“
„Ich erkannte damals nicht, dass mein zu hause eigentlich du bist. Du weißt nicht, wie sehr du in meinem Leben gefehlt hast und es ist mir egal, was du getan hast. Es ist mir egal, dass du gegangen bist, weil du wieder da bist. Das ist das einzige, was zählt und dafür liebe ich dich.“
Ich atmete schwer, weil ich zu schnell und ohne Luft zu holen geredet hatte, aus Angst irgendetwas in meiner Ansprache zu vergessen.
„Aber...“
„Kein Aber! Sieh doch nur, dort vorn die Wiese mit dem riesigen Tannenbaum. Lass uns dort hin gehen, Weihnachten feiern und die Vergangenheit vergessen.“


Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und möchte mich für die tollen Blogvorstellungen bei darkest.heart und Claudia bedanken.

Kommentare:

  1. Hei.
    Ich habe die Geschichte heute Nacht durchgelesen, ich könnte wegen irren Halsschmerzen nicht schlafen und war total aufgedreht.
    Die Geschichte ist wundervoll! Sie ist noch so voller Geheimnisse und Fragen, die ich gerne beantwortet haben würde. Aber das Ende ist einfach wieder schön! Und bei den heutigen Temperaturen, frieren die beiden auf der Wiese bestimmt auch nicht :)
    Noch während ich sie gelesen habe, bin ich mehrmals eingenickt, aber nicht, weil sie langweilig war, sondern, weil ich zur Ruhe gekommen bin. Dankeschön! Wegen dir habe ich dann doch noch ein paar Stunden schlafen können!

    Liebe Grüße > darkest.heart

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    1. Wow, Dankeschön für die lieben Worte. Es macht mich glücklich, wenn ich Kommentare wie deinen lese. Also Danke und gute Besserung.

      Liebe Grüße
      Luisa

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