Freitag, 25. Oktober 2013

Geschichte #6 - Realität

Es war einer dieser stürmischen und regnerischen Tage, an denen sich die Sonne erst am Abend zeigte und die einzigen Lichtblicke die Blitze waren, die irgendwo in der Ferne zuckten und ein leises bedrohliches Donnern erzeugten, als ich eine SMS bekam.
Ich hole dich heute ab, stand darin. Ich will nicht, dass dir was passiert =)
Und ich lächelte. Sie war von ihm, den Jungen, den ich liebte. Danke, tippte ich zurück und versuchte mich weiter auf den Unterricht zu konzentrieren.

Ich muss euch jemanden vorstellen“, sagte ich zu meinen zwei besten Freundinnen als es zu Klingeln begann. Auch wenn sie so gut wie nichts aus meinem Privatleben wussten, konnte ich mir nicht vorstellen ohne sie zu leben.
Du strahlst ja förmlich. Ist es jemand Besonderes?“, fragte die kleinere von ihnen in einem verschwörerischen Tonfall.
Ich nickte.
Da führt wohl unsere Jungfrau ein Leben von dem wir nichts wissen“, witzelte sie weiter ohne zu wissen wie recht sie damit hatte.
Ist er süß“, fragte die andere sichtlich interessiert.
Natürlich nicht“, lachte ich, nahm meine Sachen und ging nach draußen. Die Mädchen folgten mir, hatten es aber schwer, Schritt zu halten.
Ich zog die Kapuze meinen dünnen Jacke über den Kopf und vergrub meine Hände tief in den Taschen.

Dann sah ich ihn.
Er stand unter einem Baum und seine schwarzen Haare, die ihm immer wirr ins Gesicht fielen, waren noch fast trocken. Seine Haut war kalkweiß und unter seinen düsteren grauen Augen waren tiefe, fast schwarze, Ringe.
Ich lächelte zaghaft, weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte.
Die Mädchen hetzten neben mir her und fragten mich ständig flüsternd, ob er das sei und als ich dann „Ja“ sagte fingen sie so sehr an zu strahlen, wie ich es wahrscheinlich tat.
Wow, das hätte man dir gar nicht zugetraut“ und „Wo hast du ihn her?“, waren ihre Reaktionen, doch dann verstummten sie augenblicklich.
Er stand jetzt genau vor mir uns grinste mich an.
Hi“, sagte ich.
Hi.“ Auch er strahlte, obwohl das eigentlich unmöglich sein müsste.
Dann stellte ich ihm meine Freundinnen vor. Er wandte sich kurz von mir ab um ihnen ein freundliches Lächeln zu schenken. Die Mädchen warfen sich vielsagende Blicke zu, die so viel bedeuteten wie: „Mann, ist der scharf.“ Und ich musste ihnen zustimmen. Wie kam es bloß dazu, dass jemand wie er jemanden wie mich mochte? Er konnte jede haben, warum also mich?
Du solltest mehr schlafen“, flüsterte er mir zu, während er sein Arm um mich legte und mich zu ihm zog.
Ich sah mich um, ob die Mädchen weit genug entfernt waren, um uns nicht mehr zu hören. Waren sie. Sie grinsten breit als sich unsere Blicke trafen, dann wandten sie sich wieder ihrem Gespräch zu, das wohl sehr innig war.
Du solltest nicht extra wegen mir wach bleiben. Ich will nicht, dass du krank wirst.“
Sagt der, der aussieht als hätte er die letzten fünf Nächte durch gefeiert.“
Er lachte leise. „Aber im Ernst, du musst schlafen.“
Ich bin ernst, mir macht es wirklich nichts aus. Und außerdem tust du das gleiche für mich. Du brauchst auch deinen Schlaf. Ich in der Nacht, du am Tag.“
Jetzt sah er mich wirklich ernst an. „Aber bei mir ist das was anderes.“
Ich schüttelte den Kopf. „Ach sei still“, sagte ich, stellte mich auf die Zehenspitzen und drückte meine Lippen auf seine.
Und er erwiderte den Kuss als wäre es der letzte.

Hey“, sagte eine laute strenge Stimme und ich schreckte auf. „Würdest du bitte vor an die Tafel kommen?“
Was?“ Ich blinzelte. Dann erkannte ich meine Lehrerin. Ihre Haare waren zu einem hohen strengen Dutt gebunden und ihre Augen wirkten kalt.
Oh äh, ja, natürlich“, stammelte ich, ging vor zur Tafel und beantwortete die Fragen der Lehrerin.

Kommentare:

  1. Woooow! Du kannst einfach genial schreiben! <3
    l.g. Lena :)

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  2. Eine süße Story, mir ist das Ende etwas zu abrupt gekommen aber sonst schön geschrieben :)

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  3. Wie schade, dass das nur ein Traum war.

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