Dienstag, 24. September 2013

Geschichte #5 - Das Geheimnis der Sterne

Welche Geheimnisse haben die Sterne?“, fragte ich meine Mutter damals als wir auf dem Dach des Blocks lagen, in dem wir wohnten. Ich war noch ein Kind und das Haus schien viel höher als jetzt.
Sie war es, die mir zeigte, dass in allem und jedem ein Geheimnis steckte. In jedem Menschen, jedem Tier, in den Meeren und Flüssen, in den Wäldern, in den Bäumen. Ja, sogar in jedem einzelnem Blatt. Und sie wusste, wie man diese Geheimnisse erkannte.
Das, mein Schatz, wissen nur die Engel“, hatte sie geantwortet und ich lachte. Wer glaubte schon an Engel?
Also bist du ein Engel?“
Auch sie lachte. „Nein, ich weiß nur die Geheimnisse der Erde und die des Mondes. Doch die Sterne sind zu weit weg.“
Hast du ein Geheimnis?“, fragte ich.
Ich weiß noch, dass sie zögerte und die Sterne für einen Moment so dunkel wurden, dass sie beinahe schwarz waren und hinunter fielen.
Nein, ich habe nur den Fluss der Zeit, aber den hat jeder“, sagte sie und ich glaubte ihr, auch wenn ich nicht wusste, was sie damit meinte. Sie war zu raffiniert und ich zu jung, um zu verstehen, dass diese Momente und unsere Gespräche nicht normal waren, dass andere Mütter sowas nicht mit ihren Kindern taten.
Wie ein Schall durchströmt dieser Moment meine Erinnerung. Ich sehe die Nacht und meine Mutter und mich, wie wir in ihr versinken. Ich sehe ihren Fluss der Zeit, der durch das Gift, der Krankheit, ausgetrocknet wurde.
Weißt du jetzt das Geheimnis der Sterne?“, flüstere ich in die Dunkelheit und wie eine Antwort erschien eine Sternschnuppe am Himmel.
Ja“, scheint sie zu sagen.

Kommentare:

  1. Du hast einen tollen Schreibstil und man konnte die Geschichte sehr gut lesen und verstehen. Wirklich toll <3
    Geht die Geschichte noch weiter oder ist die so fertig?
    Folge dir jetzt.
    l.g. Lena :)

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  2. Wow, habe gerade Gänsehaut gekriegt :)

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